Neunzig Minuten

Er war zu früh. Das Taxi schlängelte sich besser durch den morgendlichen Verkehr, als ihn das Chaos von gestern Abend annehmen ließ. Aber offensichtlich ging diese Stadt nicht nur spät zu Bett, sie stand auch spät auf. Ein Blick auf den Bildschirm in der Ankunftshalle bestätigte ihm, dass die Maschine pünktlich landen würde. Noch eine halbe Stunde, dann würde er sie in seinen Armen halten, würde ihre Brüste spüren, ihren Hals liebkosen, seine Lippen auf die ihren drücken...

Foto: Kinga Cichewicz on Unsplash

Die Autorin Helene Loev schreibt seit ihrer frühesten Jugend. Inspiriert von ihrem Vorbild Alice Munro schreibt Loev vor allem Kurzgeschichten. Diese spiegeln die Liebe der Autorin zu Frankreich und dem französischen „savoir vivre“ wider.

Die Geschichten, die sich durch eine klare, unaufgeregte Sprache auszeichnen, beginnen oft an einer unerwarteten Stelle. Die anschließende Erzählung entwickelt sich nicht immer chronologisch.

Die Begegnungen der Protagonisten sind oft zufällig. Aus diesen Zufällen entwickelt Helene Loev mit einer Liebe zu Details die Geschichte von Menschen, die auch aufgrund von durchlebten Schicksalsschlägen zu dem geworden sind, was sie heute sind.

Helene Loev – Neunzig Minuten

Erschienen als Kindl-Edition, 2018

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